„Tiefgreifender Strukturwandel mit erheblichen Herausforderungen“

Kommission legt Bericht zur ‚Digitalen Arbeitswelt‘ vor

Videostream zur Rede von Dietmar Bell

Im Plenum wurde heute nach zweijähriger Arbeit der Abschlussbericht der Enquetekommission „Digitale Transformation der Arbeitswelt in Nordrhein-Westfalen“ vorgestellt. Die Kommission, die im Frühjahr 2018 auf Antrag der SPD-Fraktion vom Landtag eingesetzt wurde, hat untersucht, welche Änderungen durch den zunehmenden digitalen Wandel im Hinblick auf Wirtschaft, Arbeitswelt und Bildungslandschaft zu erwarten sind.

Unter Vorsitz von Dietmar Bell, der den Bericht im Plenum vorstellte, hat die Kommission, denen Mitglieder aus allen Fraktionen des Landtags angehörten, unter Einbezug von Experten und Wissenschaftlern, einen reichhaltigen Fundus an Erkenntnissen und Handlungsempfehlungen für die Gestaltung und Regulierung des digitalen Transformationsprozesses erarbeitet. Insgesamt 120 Empfehlungen für die digital basierte Arbeitswelt fasst der Bericht zusammen. Bell machte deutlich, dass die durch die Digitalisierung ermöglichten neuen Formen der Beschäftigung und betrieblichen Steuerung weitreichende Auswirkungen auf die Unternehmensorganisation und die Sozialpartnerschaft haben werden und einen tiefgreifenden Strukturwandel darstellen.

In der ‚Stärken und Schwächen‘- Analyse für NRW ergäbe sich ein gemischtes Bild. Die Kleinen und Mittleren Unternehmen müssten stärker unterstützt und die Veränderungsbereitschaft erhöht werden. Das Crowdworking habe bislang eine viel geringere Bedeutung als angenommen, führe eher noch eine Nischenexistenz. Man müsse den Blick vielmehr auf die klassischen beschäftigungsstarken KMU-Unternehmen richten und deren digitale Innovationskraft erhöhen. Am Beispiel der durch Corona bedingten sprunghaften Zunahme von HomeOffice-Strukturen zeige sich, dass dazu nicht nur technische Voraussetzungen sondern auch eine mentale Akzeptanz in den Betrieben gehöre. Es sei erkennbar, so Bell, dass Branchen und berufliche Qualifikationen sehr unterschiedlich betroffen sein werden. Zugleich biete der digitale Wandel ein hohes Potenzial für neu entstehende Arbeitsplätze. Nicht zuletzt müsse sich die Weiterbildungslandschaft auf gestiegene Kompetenzanforderungen der digitalen Arbeitswelt qualitativ und quantitativ einstellen.

Die Bewältigung der digitalen Transformation werde die Akteure und Sozialpartner vor nur gemeinsam zu bewältigende Aufgaben stellen. Der digitale Wandel werde unweigerlich die Arbeitswelt verändern und eine weitgehende Reorganisation des Arbeitsmarktes mit sich bringen. Ob dies mit erheblichen Strukturbrüchen oder im Sinne einer nachhaltigen und gestalteten Transformation geschehe, hänge ganz entscheidend denn auch vom Zusammenwirken der Sozialpartner ab. Der vorgelegte Bericht biete reichhaltige Anknüpfungspunkte nicht zuletzt auch für die Landesregierung, den Prozess politisch zu flankieren und Weichen für eine regulierte digitale Umgestaltung der Arbeitswelt zu stellen.