Bell „Die Qualität der Lehre muss entscheiden!“

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Das Thema Anwesenheitspflicht von Studierenden bei Seminaren und Vorlesungen stand heute auf der Agenda des Landtags. Die schwarz-gelbe Landesregierung beabsichtigt, es wieder den einzelnen Hochschulen zu übertragen, hier jeweils eigene Regelungen zu finden und anzuwenden. Bislang sind im NRW-Hochschulgesetz § 64 die Anwesenheitspflichten eindeutig geregelt. Sie gelten nur bei Praktikas und Laborübungen, aber nicht bei Lehrveranstaltungen, da obliegt es jedem Studierenden selbst zu entscheiden.

Ein Antrag der Grünen fordert die Landesregierung auf, den Paragraphen im Hochschulgesetz beizubehalten. Dietmar Bell, wissenschaftspolitischer Sprecher der SPD, begründete für seine Fraktion die Zustimmung zu diesem Antrag. Bell warf den Regierungsfraktionen vor, zu sehr mit der Abschaffung hochschulgesetzlicher Bestimmungen beschäftigt zu sein, und das Thema im eigentlichen Sinne nicht zu durchdringen. Denn letztlich gehe es auch um das Grundrecht der Studierenden, in Freiheit selbst zu entscheiden, welche Lehrveranstaltungen zur Prüfungsvorbereitung sie besuchen wollen.

Eine Anwesenheitsflicht könne bereits nach gültiger Gesetzeslage bei einzelnen Veranstaltungen eingeführt werden, sie muss allerdings sachlogisch geboten sein. Bell machte deutlich, dass sich die Freiheit von Forschung und Lehre, auch für die Studierenden konkret in der freien Auswahl des Besuches von Lehrveranstaltungen äußern muss. Denn, so machte Bell deutlich, qualitativ und didaktisch hochwertige Veranstaltungen würden ohnedem von den Studierenden gut besucht werden. Vielmehr die Qualität der Lehre müsse entscheiden und nicht eine mit Sanktionen hinterlegte Anwesenheitspflicht.